Privatinsolvenz 3 Jahre Laufzeit

Was bedeutet Privatinsolvenz bzw. Verbraucherinsolvenz?

Die Privatinsolvenz ist die gerichtliche Schuldenregulierung für Personen, in die Schuldenfreiheit. Egal wieviel Gläubiger vorhanden sind oder wie hoch die Gesamtverschuldung ist.

Für nichtselbständige Personen wurde das Verbraucherinsolvenzverfahren, auch Privatinsolvenz oder nur  Insolvenzverfahren genannt, 1999 geschaffen und hat das Konkursverfahren abgelöst. Das Insolvenzrecht wurde bereits mehrfach reformiert. Die einzelnen Schritte sind als Insolvenzverfahren bekannt.

Nach der Eröffnung einer Privatinsolvenz erfolgt das eigentliche Insolvenzverfahren im Anschluss, die Wohlverhalternsperiode und zum Schluss die Restschuldbefreiung. Diese wird 3 Jahre nach Eröffnung der Verbraucherinsolvenz ausgesprochen.

Wie lange dauert eine Insolvenzverfahren / eine Privatinsolvenz?

Ein Insolvenzverfahren dauert seit dem 01.10.2020 nur 3 Jahre, davor betrug die Zeit der Abwicklung 6 Jahre. Sie erhalten nun nach ca. 3 Jahren die Restschuldbefreiung und sind von den Schulden, die vor der Antragsstellung entstanden sind, befreit.

Wie funktioniert ein Insolvenzverfahren?

Erst muss ein außergerichtlicher Einigungsversuch stattgefunden haben. Hierzu gehört ein Schuldenbereinigungsplan.

Dieser beinhaltet folgende Informationen für den Gläubiger:

  • Die wirtschaftliche Situation (Unterhaltspflichen, Nettoeinkommen und mtl. Pfändbarkeit).

  • Ein Forderungsverzeichnis (Auflistung aller Gläubiger, einschließlich deren Forderungen).

  • Die Anteilsquote (Anteil der Forderung eines Gläubigers an der Gesamtverschuldung).

  • Die Vergleichssumme (der Geldbetrag, der für die Tilgung der Gesamtforderung insgesamt zur Verfügung gestellt wird).

  • Die Vergleichsquote (Rückzahlung in % auf die Gesamtforderung aller Gläubiger).

  • Den Geldbetrag, den der Gläubiger insgesamt auf seine Forderung angeboten bekommt.

  • Den Zahlungsintervall (Fälligkeit, Einmalzahlungen, Ratenzahlung und Zahlungsziel)

Diesen außergerichtlichen Einigungsversuch (AEV) müssen ausnahmslos alle Gläubiger zugestimmt haben. Lehnt ein Gläubiger diesen Vorschlag ab, ist der Einigungsversuch gescheitet und der Antrag auf Privatinsolvenz kann gestellt werden. Zum Antrag gehört die Bescheinigung einer anerkannten Schuldnerberatung über das Scheitern des AEV. 

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird vom Gericht ein Insolvenzverwalter benannt, der sich um das Verfahren kümmert.  

Einfach erklärt, wird nun geprüft, ob pfändbares Vermögen vorhanden ist. Das muss in der Regel veräußert werden und der Insolvenzmasse (Gelder für die Kosten und Gläubiger) zugeführt werden.

Der pfändbare Anteil vom Einkommen, sofern vorhanden, wird ebenfalls eingezogen und der Insolvenzmasse zugeführt.

Zuerst werden die Kosten des Verfahrens abgezogen. Dazu gehören auch die Kosten des Insolvenzverwalters. Der Restbetrag wird an die Gläubiger nach Anteilsquote verteilt.

Nach drei Jahren Privatinsolvenz erfolgt die Restschuldbefreiung. Nun sind Sie SCHULDENFREI.

Was kostet ein Insolvenzverfahren?

Die Kosten sind vom Aufwand und der Anzahl der Gläubiger abhängig, sie betragen mindestens 1.000 €. Die Verfahrenskosten sind in der InsVV (Insolvenzrechtliche Vergütungsverordnung) geregelt.

Können die Kosten nicht aus eigener Kraft bezahlt werden, kann ein Antrag auf Verfahrenskostenstundung gestellt werden.

Grundsätzlich stellen wir als Schuldnerberatung, mit dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, auch einen Antrag auf Verfahrenskostenstundung.

Nach der Restschuldbefreiung verlangt das Gericht die Bezahlung der Kosten. Nun kann ein Antrag auf Verlängerung der Stundung gestellt werden.

In der Regel wird der Antrag bewilligt und die Kosten werden bis zur Restschuldbefreiung gestundet bzw. ausgesetzt. Dann müssen die Kosten bezahlt werden.

Bei andauernder Vermögenslosigkeit kann ein Antrag auf den Erlass der gestundeten Verfahrenskosten gestellt werden.

Wir empfehlen jeden Monat einen kleinen Betrag, auch wenn Sie nicht pfändbar sind, während des Insolvenzverfahrens, zu bezahlen.

Welche Pflichten im Insolvenzverfahren habe ich?

Die Pflichten im Insolvenzverfahren werden Obliegenheiten genannt und sind unter § 295 InsO aufgeführt.

  • Es muss eine angemessene Erwerbstätigkeit ausgeübt werden. Liegt keine Beschäftigung vor, muss sich um eine zumutbare Tätigkeit bemüht werden und darf auch nicht abgelehnt werden.

  • Im Falle eines Erbes oder Schenkung ist die Hälfte des Wertes abzugeben.

  • Im Falle eines Gewinns, Spiel oder Lotterie ist der Gewinn in vollem Wert anzugeben.

  • Geringfügige Gelegenheitsgeschenke und Gewinne von geringem Wert sind ausgenommen.

  • Jeder Umzug oder Wechsel des der Beschäftigungsstelle ist unverzüglich dem Insolvenzgericht und dem Treuhänder anzuzeigen.

  • Es darf kein Vermögen verheimlicht werden.

  • Auf Verlangen von Auskunft über Bezüge, Vermögen und Bemühungen über eine Erwerbstätigkeit zu finden, ist unverzüglich Auskunft zu geben.

  • Es darf kein Insolvenzgläubiger Gelder von Ihnen erhalten, da so ein Sondervorteil geschaffen wird.

  • Zahlungen dürfen nur an den Insolvenzverwalter / Treuhänder geleistet werden.

Wir empfehlen, alle Anfragen vom Gericht und Insolvenzverwalter / Treuhänder umgehend zu beantworten und dies zu dokumentieren.

Was heißt Restschuldbefreiung (§ 300 InsO)?

Die Restschuldbefreiung wird am Ende der Privatinsolvenz vom Insolvenzgericht ausgesprochen. Hierdurch werden Sie als Schuldner von Ihren Insolvenzgläubigern befreit, die bereits vor dem Insolvenzverfahren bestanden haben. Der Beschluss wird öffentlich bekannt gemacht.

Sollten Insolvenzgläubiger ihre Forderungen nicht angemeldet haben, unterliegen sie trotzdem der Restschuldbefreiung.

Doch es gibt Ausnahmen!

Welche Forderungen sind von der Restschuldbefreiung ausgeschlossen?

  • Geldstrafen und Geldbußen

  • Forderungen aus vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung (z. B. Beitragsvorenthaltung gem. § 266a StGB, Betrug, vorsätzliche Körperverletzung)

  • vorsätzlich pflichtwidrig nicht gewährter / gezahlter Unterhalt

  • Steuerforderungen, sofern Sie wegen einer Steuerstraftat rechtskräftig verurteilt worden sind

Welche Versagungsgründe der Restschuldbefreiung gibt es (§287a ff. InsO)?

  • Der Insolvenzantrag wurde nicht richtig ausgefüllt

  • Sie sind wegen Insolvenzstraftaten (§§ 283-283c StGB) rechtskräftig verurteilt worden

  • Sie haben falsche Angaben über Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gemacht

  • Sie haben Ihr Vermögen verschwendet oder sind unangemessene Verbindlichkeiten eingegangen

  • Die Insolvenzverfahrenseröffnung wurde verzögert

  • Es wurde gegen die Auskunfts- und Mitwirkungspflicht verstoßen

  • Es wurde gegen die Erwerbsobliegenheiten verstoßen

  • Die Treuhändervergütung wurde trotz Verpflichtung nicht bezahlt

Kann die Restschuldbefreiung erneut ausgesprochen werden?

Grundsätzlich kann eine Restschuldbefreiung erneut ausgesprochen werden, hierzu muss ein neuer Insolvenzantrag gestellt werden.

Die Sperrfrist bezieht sich auf den Insolvenzantrag, dazu ist Folgendes zu beachten:

Die Versagung der Restschuldbefreiung löst mindestens eine dreijährige Sperrfrist (§287a Abs.2 InsO) aus.

Im Falle einer sogenannten Insolvenzstraftat beträgt die Sperrfrist (§287a Abs.1 InsO) fünf Jahre.

Sollten Sie nach Erteilung der Restschuldbefreiung erneut ein Insolvenzverfahren anstreben, gilt eine Sperrfrist von 11 Jahren.

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